
Teil 2: Ich stand mitten im Leben – bis plötzlich nichts mehr ging
Persönliche Geschichte
Bevor chronische Schmerzen mein Leben veränderten
Bevor chronische Schmerzen mein Leben veränderten, hatte ich einen Beruf, Verantwortung, eine Partnerin, meine Einsätze und Pläne für die Zukunft.
Ich stand mitten im Berufsleben
Ich war ein Mann, der mitten im Leben stand. Ich hatte meine Ausbildung zum Montageelektriker EFZ erfolgreich abgeschlossen und danach die Weiterbildung zum Teamleiter Elektro absolviert.
Ich arbeitete auf Baustellen, übernahm Verantwortung und hatte Ziele für meine Zukunft. Ich war es gewohnt anzupacken. Die Arbeit war ein wichtiger Teil meines Lebens und ich wollte mich beruflich weiterentwickeln.
Auch privat hatte ich ein Leben, das mir viel bedeutete. Ich hatte eine Partnerin an meiner Seite. Wir waren gemeinsam unterwegs, reisten durch die Gegend, entdeckten neue Orte und genossen unsere gemeinsame Zeit.
Helfen war meine Passion
Neben meinem Beruf gab es etwas, das für mich eine ganz besondere Bedeutung hatte: meine Tätigkeit als First Responder.
First Responder zu sein war für mich nicht einfach ein Hobby. Es war meine Passion.
Zwischen 2024 und 2026 war ich bei mehr als 120 Einsätzen dabei – bei Tag und bei Nacht. Wenn der Alarm kam und irgendwo ein Mensch medizinische Hilfe brauchte, machte ich mich auf den Weg.
Daneben war ich auch in der Feuerwehr engagiert. Für andere da zu sein, Verantwortung zu übernehmen und in schwierigen Situationen zu helfen, gehörte zu meinem Leben.
Ich war es gewohnt, anderen zu helfen. Später musste ich lernen, selbst Hilfe anzunehmen.
Ich hätte damals nicht gedacht, dass sich mein Leben innerhalb kürzester Zeit so grundlegend verändern würde.
Dann kam der Tennisarm
Der Tennisarm holte mich ein. Was zunächst nach einem Problem klang, das behandelt wird und irgendwann wieder verschwindet, wurde für mich zu einem Wendepunkt.
Von einem Tag auf den anderen konnte ich nicht mehr arbeiten.
Plötzlich ging es nicht mehr darum, welchen nächsten beruflichen Schritt ich machen möchte. Es ging darum, was mein Körper überhaupt noch zulässt.
Ich wollte weiterhin arbeiten. Mein Wille war da. Aber ich musste zum ersten Mal erfahren, dass der eigene Wille nicht immer ausreicht, wenn der Körper Grenzen setzt.
Nach der Operation begann ein neuer Alltag
Nach der ersten Operation kam es zu Komplikationen. Weil meine Gerinnungsstörung zu diesem Zeitpunkt weder mir noch dem behandelnden Arzt bekannt war, wurde eine zweite Operation notwendig – diesmal notfallmässig.
Und danach blieb es nicht bei einer kurzen Genesungszeit.
Es folgte Spitalaufenthalt auf Spitalaufenthalt.
Statt Baustelle, Arbeit, Feuerwehr, First-Responder-Einsätzen und unserem gemeinsamen Unterwegssein bestimmten plötzlich Ärzte, Untersuchungen, Behandlungen und Spitäler meinen Alltag.
Immer wieder hoffte ich, dass man eine Lösung findet, dass die Schmerzen besser werden und dass ich irgendwann wieder zurück in mein gewohntes Leben kann.
Gleichzeitig musste ich mich mit neurologischen Schmerzen auseinandersetzen, die sich bei mir wie wiederkehrende Stromschläge zeigten.
Noch kurz zuvor war ich bei Tag und bei Nacht ausgerückt, wenn andere Menschen medizinische Hilfe brauchten. Nun sass oder lag ich selbst immer wieder im Spital.
Aus dem Helfenden war plötzlich selbst ein Patient geworden.
Ein Leben kann sich sehr schnell verändern
Bis dahin hatte ich gelernt, dass man sich Ziele setzt, arbeitet und sich weiterentwickelt. Nun musste ich mich mit einer völlig anderen Realität auseinandersetzen.
Aus Arbeit, Verantwortung und Zukunftsplänen wurden Arzttermine, Behandlungen und die Frage, wann ich wieder zurück in mein gewohntes Leben kann.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die bevorstehende Operation weitere Folgen haben würde.
Fortsetzung
Wie es weiterging
Im nächsten Teil erzähle ich von der Operation, der damals unbekannten Gerinnungsstörung und den neurologischen Schmerzen, die sich danach wie Stromschläge zeigten.
Über Schmerzraum
Schmerzraum ist ein gemeinnütziger, politisch und konfessionell unabhängiger Verein mit Sitz in Bern. Der Verein unterstützt Menschen mit körperlichen und/oder psychischen Schmerzen sowie deren Angehörige, fördert den Austausch, sensibilisiert die Öffentlichkeit und bietet Informationen und Orientierung.
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